Wie sich Eigeninitiative auf deinen Erfolg auswirkt

Der heutige Gastbeitrag stammt von Katherina Ushachov. Sie ist 25 Jahre alt und macht zur Zeit den „Master of Arts“ im Studiengang Weltliteratur. Für Simply Human hat sie sich mit dem Thema „Erfolg durch Eigeneninitiative (= „Bewegung)“ beschäftigt.

Ich danke Katherina für den tollen Artikel und wünsche dir viel Spaß beim Lesen! 🙂


Ich studiere endlich im ersten Semester Master Weltliteratur. Doch der Weg dorthin war steinig – ich stand mir selbst im Weg und hätte beinahe mein Bachelorstudium verloren.  

Die typischen Fehler schüchterner Studienanfänger

Wer mich kennt, weiß: Ich bin scheu und kämpfe mit einer geradezu wahnhaften Angst davor, Höhergestellte zu behelligen. Egal ob Dozenten oder sonst ein Mensch, der dafür bezahlt wird, mich zu betreuen. Aus unerfindlichen Gründen habe ich diese Menschen gedanklich auf ein Podest gestellt – seit Alice‘ Gastauftritt im Sidepreneur Podcast, in dem Sie das Thema ansprach, versuche ich, dagegen zu kämpfen, aber es gelingt mir nicht immer. 

Treffe ich den richtigen Ton? Bin ich höflich genug, ohne unterwürfig zu wirken? Wann darf ich nachhaken, ob mit einer Antwort zu rechnen ist? 

Das Problem ist, dass man an der Uni auf einmal all das tun muss, womit man sich als Schüler unbeliebt gemacht hat. Wer sich in der Schule zu oft meldete und viel wusste, war ein Streber. Wer etwas zum dritten Male fragte, nervte. Wer nach der Stunde den Lehrer etwas fragen wollte, schleimte nur herum und wem die eigene Leistung am Herzen lag, war ein Spinner ohne Freunde. Wer studiert, hat diese „Weisheiten“ oft unbewusst verinnerlicht. Ständig fragt man sich: Was denken die Studienkollegen? Was denken die Dozenten? Wenn ich was frage, halten mich doch alle für zu dumm zum Googeln, oder? 

 Mein Studium stand auf der Kippe

 Und das mehrmals, denn in vielen Fächern hat man nur drei Versuche. Misslingt Versuch Nummer drei, ist alles aus und man darf nie mehr in dieser Richtung studieren. In Englisch setzte ich ausgerechnet die letzte mir für den Abschluss fehlende Hausarbeit zwei Mal in den Sand. In Philosophie fiel ich zwei Mal in der am Meisten gefürchteten Prüfung durch und die Angst vor dem Versagen raubte mir den Schlaf. Dazu verschwand plötzlich mein Bachelorbetreuer und antwortete eine ganze Weile nicht auf meine Mails. 

Mittendrin traf mich obendrein die Erkenntnis, dass ich gar nicht mehr Lehrerin werden möchte. Um aber irgendwie weitermachen zu können, musste ich endlich dieses eine Studium abschließen.

 Der Wendepunkt

 Irgendwann fragte mich meine Mutter, wieso ich nicht den Dozenten frage, woran meine Hausarbeit gescheitert ist oder was genau ich in der Klausur falsch gemacht habe. Ja, wieso eigentlich nicht? Auf einmal kam ich mir unglaublich dumm vor. Dozenten sind nicht nur normale Menschen, sie werden auch noch dafür bezahlt, die dummen Fragen der Studierenden zu beantworten. Wieso steckte ich also meinen Kopf in den Sand, anstatt die Dinge einfach anzupacken? 

Also fasste ich meinen Mut zusammen und handelte endlich. Ich schrieb meiner Englischdozentin und bat sie, die Wiederholung bei ihr zu schreiben. Danach kam ich in jede ihrer Sprechstunden, ließ mir Lektürehilfen und Tipps bei einzelnen schwierigen Stellen geben – und verwandelte eine 5,0 in eine 2,3. 

Ich kam zu meinem Philosophieprofessor in die Sprechstunde, ließ mir meine Klausur zeigen und stellte fest, dass ich das Allerschwierigste an der Klausur sehr gut beherrschte, aber ganz viele Punkte verschenkt hatte. Also setzte ich mich hin, lernte noch mal ganz besonders meine Schwachstellen und bestand schließlich. 

Das Prüfungsamt machte auf meine Anfrage meinen Betreuer ausfindig und er meldete sich endlich bei mir, sodass ich meine Bachelorarbeit rechtzeitig fertig bekam. 

 Das Gelernte anwenden

 Als ich endlich meinen Wunsch-Studiengang hatte, schien alles perfekt. 

Die Kurse, für die ich mich anmelden musste, wurden teilweise allerdings erst im letzten Moment online gestellt und mit einem Kurs gab es bis zuletzt noch technische Schwierigkeiten. 

Bei der Einführungsveranstaltung stellte ich dann fest, dass die notwendigen Sprachtests erst im Dezember sind – alle Studenten des Vorgängerstudiengangs hatten sie längst geschrieben. Nur bin ich eine Quereinsteigerin. 

Also nahm ich meinen Mut erneut zusammen und erfragte, wer die Slavisten betreut und erfuhr, dass ich den Nachweis brauche, dass ich Russisch kann. Also kümmerte ich mich darum und bekam für den gleichen Tag einen Prüfungstermin. Trotz meiner Nervosität bestand ich die Prüfung, erhielt meinen Nachweis und warf ihn rechtzeitig in den Briefkasten. Das war an einem Donnerstag.  Am darauffolgenden Dienstag war mein Problem immer noch nicht bearbeitet. Also musste ich auf einen Anrufbeantworter sprechen, damit in meinem Studienprofil eingetragen wird, dass ich offiziell Russisch spreche. Es war die letzte Anmeldephase, wo der den Kurs kriegt, der zuerst klickt. Die Zeit lief mir weg, also rief ich beim Studienbüro an. Dort sagte man, dass das technische Problem gleich behoben würde – wurde es aber bis Freitag nicht. 

Immerhin erfuhr der Dozent von meiner Odyssee und schrieb mir eine Mail, dass ich einfach in seinen Kurs kommen solle. Ich habe also meinen Wunsch-Stundenplan – weil ich es inzwischen wage, den Mund aufzumachen, wenn ich etwas brauche und das zu tun, was von meiner Seite aus nötig ist, um es zu bekommen.

 Fazit

 Im Laufe meines Studiums habe ich besonders drei Dinge gelernt: 

  1. Stelle niemals Menschen auf ein Podest, die dazu da sind, dir zu helfen. Wie gesagt – dafür sind sie da! 
  2. Vergiss alle Überlebenstricks aus der Schule. Durch sie rutschst du nur in schädliche Verhaltensmuster rein, die dich aufhalten. 
  3. Wenn du eine Frage hast, irgendwo nicht weiterkommst und nicht weißt, wie du dich verbessern kannst – mach den Mund auf. Niemand beißt dir den Kopf ab, wenn du es tust. Aber wenn du es nicht tust, beißt dir das Leben den Kopf ab und dann hast du ein wirklich großes Problem. 

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs, die bereits studieren oder es erwägen, alles Gute und viel Erfolg! 


 

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Katherina Ushachov ist 25 Jahre alt und macht ihren „Master of Arts“ im Studiengang Weltliteratur.

Ihren eigenen Blog betreibt sie unter feuerblut.wordpress.com

 

 

Ein Gedanke zu „Wie sich Eigeninitiative auf deinen Erfolg auswirkt

  1. Ich kann dich in dieser Hinsicht so gut verstehen…
    Als Kind und junger Teenager hatte ich Angst vor den Reaktionen der Erwachsenen und ich hasste es, von solchen Personen in irgendeiner Form abhängig zu sein.
    Diese Einstellung hat mir mehr geschadet, als genützt – einmal hatte ich Riesenzoff mit einem Lehrer, weil ich einen Vortrag mit einer Powerpointpräsentation halten sollte und mich schlicht geweigert habe, die Präsentation zu erstellen, Ich konnte ihm nicht einfach sagen, dass ich es auf den Tod nicht ausstehen kann, im Mittelpunkt zu stehen, von allen angegafft zu werden und dann auch noch bewertet zu werden. Zur Strafe durfte ich den ganzen Freitagnachmittag in der Schule bleiben und die blöde Präsentation basteln. Als der Lehrer sie später ansah, wunderte er sich ernsthaft, warum ich mich so querstellte; er hätte mir dafür ne Eins gegeben. Tja…. ich schlug mich als Ninja-Mauerblümchen durch die Schule und wollte nichts daran ändern. Aufmerksamkeit, egal ob positiv oder negativ, war mir zuwider.
    Ich habe heute noch Probleme damit, mich auf Menschen einzulassen, weil ich auf keinen Fall in ein Abhängigkeitsverhältnis reinrutschen will. Auf Neupsychologisch heißt das „Bindungsangst“, glaube ich.

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