Wie du mit Mitte 20 fest im Leben stehst

AHAHAHAHAHAHAHA… haha…ha.

Als ich mit 19 auf mein Leben schaute, dachte ich, dass ich mit ca. 25 Jahren bereits ausgelernt habe, einem festen Job nachgehe, verheiratet oder zumindest verlobt bin und das erste Kind in Planung ist. Natürlich wäre ich auch finanziell abgesichert, weil ich mein finanzielles Polster angespart und gut angelegt hätte. Ich würde wissen wer ich bin, sicher im Leben stehen und könnte mich dann zurück lehnen, um meine Zeit zu genießen.

Joa… soviel dazu

Heute bin ich 28, habe eine Ausbildung und ein Studium hinter mir, mehrere Jahre Arbeitserfahrung auf dem Buckel (und auch eine Vollzeitstelle), das zweite Studium ist nebenberuflich in der Mache, ich bin Single und kinderlos. Ich habe kein finanzielles Polster, mit dem ich mich über Monate der Arbeitslosigkeit hinweg retten könnte, habe nie einen Antrag bekommen und ich fange jetzt gerade erst damit an, zu entdecken wer ich wirklich sein möchte.

Im Grunde ist also rein gar nichts so gelaufen, wie ich es mal geplant habe. Gott. Sei. Dank.

Dein Leben ist keine S-Bahn

Wenn ich jetzt auf meine damaligen Ziele und Überzeugungen zurück blicke, bin ich mehr als froh, dass sie nicht in Erfüllung gegangen sind. Nicht weil ich sie nicht mehr möchte. Aber weil ich viel mehr möchte.

Ich möchte mich selbst entdecken, immer wieder, anstatt einfach nur „fest im Leben zu stehen“.
Ich möchte einen echten Partner auf Augenhöhe, der bestimmte Anforderungen zu erfüllen hat und nicht mehr einfach nur irgendeinen „Mann mit dem ich ein Kind kriegen kann“.
Ich möchte Freiheit mit Heimathafen, schreiben, reisen, lesen, lernen, erleben, Menschen kennen lernen, Dinge ausprobieren, wachsen, trainieren, mich verändern und mental eine Ebene nach der anderen erklimmen, eine Grenze nach der anderen sprengen, anstatt einfach nur „einen Job zu haben“.

Das bin ich. Ich bin kein kleines Weibchen, das mit 25 seine Familie gegründet hat, irgendeinem Job nachgeht der ein bisschen Geld reinspült und ansonsten die Zeit mit Freunden, Haushalt und Beziehung verbringt. Für viele mag das ausreichend sein – und das ist auch absolut okay, in Ordnung und nachvollziehbar. Aber es passt nicht zu mir.

Ich gehöre in die andere Kategorie, zu den Crash-Chaoten.
Wenn ich strauchele und falle, rappele ich mich wieder auf. Ich komme stärker zurück, immer. Verletzungen machen mich besser, schneller, klüger. Ich lerne, unentwegt, jede Minute in der ich meine Augen geöffnet habe. Das bedeutet nicht, dass ich mir den ganzen Tag über irgend einen Lernstoff reinziehe. Aber ich lese, ich lerne (ja, auch der Lernstoff ist dabei), arbeite an mir selbst, trainiere, spreche mit Leuten, probiere aus, denke nach, reflektiere über mich selbst und mein Umfeld, höre, sehe. Mein Gehirn nimmt den ganzen Tag über Informationen auf (wie deines übrigens auch) und seitdem ich anfange zu steuern welche Informationen das im Groben sind, mache ich unglaubliche Sprünge. Ich mache Fehler und das nicht wenig. Rückschritte gehören genauso zu meinem Alltag, wie Erfolge, große und kleine.

Mein Leben ist ein einziges Chaos gewesen, schon immer. Früher habe ich mich deswegen selbst bedauert. Heute greife ich mir das Chaos und lasse es für mich arbeiten. Ich finde langsam heraus was ich will und ich habe gelernt, das zu kommunizieren. Und je häufiger und selbstbewusster ich über mich, meine Ziele und Pläne rede, desto größer wird das Chaos. Denn plötzlich kommen mehr Menschen dazu.

„Du, ich kenn da eine die macht…“
„Da fällt mir ein, der xy hat Ahnung in … ich vernetze euch mal“
„Hast du schon yz gesehen? Das könnte was für dich sein, ich schick dir mal den Link…“

Plötzlich sind da so viele Menschen, Projekte, Möglichkeiten, Wege, neue Ziele und noch viel mehr. So viel, dass ich inzwischen immer wieder dankend ablehnen und aussortieren muss, um den Fokus auf meine aktuellen Ziele nicht zu verlieren. Und plötzlich merke ich:

Es gibt gar keinen festen Fahrplan.
Das Leben kommt – und du musst aufspringen.

Mit Ende 20 fest im Chaos

Heute stehe ich „fest im Chaos“. Ich weiß wer ich bin und ich weiß, wer ich noch werden will. Genauso weiß ich, dass es absolut in Ordnung ist, wenn ich diese Vorstellung von mir in den nächsten paar Jahren immer noch mal überarbeite und weiter anpasse.

Das Leben um mich herum passiert.

Manches davon kann ich beeinflussen, anderes (noch) nicht. Was ich aber immer beeinflussen kann, ist meine Reaktion auf die Geschehnisse um mich herum.

Unsere Reaktion ist das, was wir immer und überall selbst beeinflussen können.

Wenn ich einen Rat nicht annehmen möchte, tue ich es nicht.
Wenn mir etwas nicht gefällt was jemand auf FB oder sonstwo postet, like und kommentiere ich es nicht.
Ich lasse mich nicht auf Diskussionen ein, bei denen abzusehen ist, dass sie nur dem Schlagabtausch dienen.
Wenn ich Frust empfinde, schreibe ich darüber in meinem Tagebuch und versuche den Ursprung für diesen Frust zu benennen. Kenne ich diesen, kann ich dagegen angehen und das Problem aus der Welt schaffen. Und dazwischen gehe ich gern trainieren – auch ein super Weg, um Frust raus zu lassen.
Wenn ich Heißhunger auf ungesunden Scheiß habe, denke ich darüber nach, was meine Ziele sind und ob es mir das Wert ist, mich so weit zurück zu werfen, wegen kurzer Gelüste. Und ja, manchmal hilft leider auch das nicht und ich tue es trotzdem, aber das immer weniger. Ich lerne dazu und werde auch auf dieser Ebene stärker.

Du machst das echt toll!

In letzter Zeit bekomme ich immer wieder zu hören, wie diszipliniert ich das alles durchziehe und wie toll. Dabei kommt es mir selbst manchmal gar nicht so vor. Denn klar cheate ich auch mal, oder faulenze. Ich bin nicht perfekt, sicher nicht! Das was du siehst und vielleicht als Disziplin empfindest, ist einfach nur purer Trotzkopf.
Es gibt Dinge die ich will, Ziele die ich erreichen MUSS – weil ich sonst nicht zufrieden sein werde. Ich habe Ziele und Zwischenschritte definiert und sie mir so in den Kopf gehämmert, dass ich an den meisten Tagen eben doch zum Training gehe, selbst wenn es mal keinen Spaß macht. Das ich mich eben doch immer wieder aufrappele, um auch wenn ich mal verschlafen oder einen Tag verschwendet habe, die folgenden Tage wieder zu nutzen, um weiter zu kommen.

Dabei spornt mich jedes Lob von dir natürlich wahnsinnig an. Du glaubst gar nicht, wie gut es tut, sowas zu hören, wenn man selbst sich gerade eher faul fühlt, weil man einen Rückschritt durch macht.
An dieser Stelle ein dickes DANKE dafür.

Was ich aber sagen will ist: Auch ich habe meine Fehler und Schwächen. Mit 28. Immer noch.
Ich bin nicht die, die eine Familie gegründet und geheiratet hat und die jetzt „fest im Leben steht“ (was auch immer das genau heißen mag). Ich bin auch nicht die, die aufsteht und die Welt rettet. Aber ich bin die, die aufsteht und sich denkt „heute gehst du es wieder an“. Und ja, manchmal bin ich auch noch die, die sich denkt „what the fuck?“ und sich wieder umdreht. Daran arbeite ich noch. 😀

Dein Leben kommt – spring auf

Wenn du mit Anfang, Mitte oder auch Ende 20 noch kein Startup gegründet, hoch gezogen, einen millionenschweren Exit hingelegt und nebenbei eine Familie gegründet hast, dann herzlichen Glückwunsch. Du bist ein Mensch. Ja es gibt sie, die Genies, die sich mit Anfang 20 praktisch zur Ruhe setzen können. Aber das ist nur eine Spitze. Das bedeutet nicht, dass jeder der darunter agiert ein hoffnungsloser Fall ist.

Du bist 19? Hau rein! 25? Dann los! 28? Prima, bestes Alter! 35? Super! Los gelegt!

Wenn du das hier liest, kannst du immer noch los legen. Und wenn du 105 Jahre alt bist, ist das völlig egal! Immerhin bist du jemand der 105 ist, das Internet kapiert hat und deshalb jetzt diesen Artikel hier lesen kann. Das kann auch nicht jeder von sich behaupten, auch viele jüngere nicht.

Es ist egal, wie alt du bist.
Es ist egal, wie aussichtslos deine Situation sein mag.
Es ist egal, wie deine Ziele aussehen, solange es deine Ziele sind.

Wenn du Fragen hast, stell sie, gerne auch per Mail oder in den Kommentaren.
Wenn du Zweifel hast, teile sie uns mit.
Wenn du Themenwünsche hast, nur raus damit.

Du kannst erreichen was du erreichen willst, wenn du dich nur richtig darauf einlässt.
Ich weiß das. Dieses Jahr hat noch 95 Tage. Was wirst du damit anfangen?

sh

3 Gedanken zu „Wie du mit Mitte 20 fest im Leben stehst

  1. Hach ja, manchmal trifft ein Artikel von dir einfach genau zur richtigen Zeit ein, erst gestern habe ich mich komisch gefühlt, weil ich mit fast 25 noch einen Master dranhänge, noch mindestens 2 Jahre lang studiere, ergo auch bei meinen Eltern wohne, mich nicht selbst versorge, kein Auto habe (und auch keins fahren könnte) und manchmal das Gefühl habe, dass die Jüngeren mir davonziehen, weil sie mit einem Bachelor oder einer Ausbildung schon zufrieden sind und ins Leben starten können, während ich noch an der Schwelle herumgammle, das Pausenbrot von Mama esse und ihnen beim Arbeiten zusehe xD.
    Aber nichts von dem Zeug, das ich gelernt habe, als ich noch den falschen Träumen nachhing, ist verloren. Verbucht sich alles unter Wissen und Erfahrungen, die halt ihre Zeit brauchen.
    Und wieso überhaupt sich den ganzen jungen Hüpfern gegenüber rechtfertigen zu müssen? Ich bin eine sehr glückliche Nesthockerin und während sie ihren Führerschein machten, schrieb ich meinen ersten Roman.
    So 😀

    1. Hahaha, richtig so! Ich unterhielt mich neulich auch mit einer alten Freundin darüber, dass wir beide eben früher dachten, dann und dann schon alles geregelt haben und erwachsen sein zu müssen. Dann lachten wir beide herzhaft. Und dann notierte ich mir die Artikel-Idee. 😀

      Dein Leben ist DEIN Leben und das wird es auch immer sein. Und ja, „die Norm“ zieht früher aus, ich habs auch mit 20/21 gepackt und bin mit meinem ersten Gehalt ausgezogen in der Ausbildung (ca. im zweiten Jahr). Das hat mir viel Erfahrung gebracht, Narben, Erkenntnisse – es war eben mein Weg. Du hast einen völlig anderen, einen der zu dir passt und das ist doch vollkommen in Ordnung. Wie heißt es so schön? Wenn du dich mit anderen vergleichst, wirst du immer unglücklich sein. Weil du immer einen findest, der schon weiter oder einfach nur an einer anderen Stelle ist.

      1. Noch besser wird es, wenn ich zugebe, mit 18 zwangsweise ausgezogen zu sein (weil Studienort und Elternhaus 400km auseinander sind) und mit 23 wieder zurückgezogen zu sein 😛

        Aber ja, Menschen und Wege sind einfach zu verschieden, um überhaupt sinnvoll vergleichen zu können. Wer studiert, braucht ja sowieso für alles viel länger, als normale Menschen ^^

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