Immer noch dabei [MWJ]

Der August nähert sich langsam dem Ende und ich bin immer noch dabei. Mein weizenfreies Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Einerseits bin ich erleichtert, andererseits konnte ich auch unglaublich viel lernen.
Über Ernährung, über mich selbst.

Ich bin in diesen Selbstversuch reingesprungen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, wie lang so ein Jahr wirklich ist. 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage. Und noch liegen ungefähr viereinhalb Monate vor mir. Mittlerweile ist mir diese Ernährung absolut in Fleisch und Blut übergegangen und auch unter meinen Freunden oder bei der Familie ist es kein Thema mehr, sondern nur noch ein „ach ja“.

Während ich diese Zeilen schreibe, versuche ich mich daran zurück zu erinnern, ob mir die Länge dieses Versuchs je Angst gemacht hat. Oder ob ich geglaubt habe, es nicht schaffen zu können. Soweit ich mich erinnere, ist aber beides nie der Fall gewesen. Es ist nur Ernährung und nichts wovor ich Angst haben müsste. Was sollte mir auch schon groß zustoßen, außer das ich ein Jahr lang keine Pizza bestellen, oder Lasagne im Restaurant essen kann? Sicher habe ich verzichten müssen und das werde ich auch noch die nächsten paar Monate tun. Aber das was mir diese ganze Aktion gebracht hat, ist sehr viel mehr Wert, als schneller und oft eher zweifelhafter „Genuss“.

Vor ein paar Monaten wurde ich mal gefragt: „Wieso eigentlich gleich ein ganzes Jahr? Wieso nicht nur sechs Monate oder so?“ Weil es sich halbherzig angefühlt hätte. Ein Jahr ist ein Zeitraum, der einen ganzen Zyklus mit einschließt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
In einem Jahr erlebe ich alles, von Alltag über Urlaub, Feiertage, Geburtstage, Feste, den Jahreswechsel. Hätte ich nur 9, 6 oder 3 Monate ausgewählt, wäre mir eine Menge entgangen. Besonders die Weihnachtszeit wird noch einmal interessant, mit dem Verzicht auf Lebkuchen und Co. Das sind Herausforderungen, denen ich mich mit einem kürzeren Zeitraum nicht gestellt hätte. Und ich wollte keinen Ein-Tages-Ausflug, sondern ich wollte es wissen – das volle Programm.

Das was ich aber überschätzt habe, war, wie viel es zu erzählen gibt. Ich hatte gehofft, dass meine Erfahrungen 52 Wochen mit Artikeln füllen können. Mitten im Jahr habe ich festgestellt, dass dem nicht so ist, weil ich irgendwann anfing, mich zu wiederholen. Es ist nur eine Ernährungsform und irgendwann ist da auch alles erzählt. Sicher hätte ich mich noch mit Studien belesen und meine ganze Aufmerksamkeit darauf richten können, neue abgefahrene Nahrungsmittel finden zu können. Aber das ist nicht mein Ding. Ich liebe essen und ich esse gern und ja, manchmal mansche ich mir auch etwas Neues zusammen, das wirklich gut schmeckt (wie mein selbstgemachtes Schokoladeneis, wenn du das Rezept noch nicht gesehen hast, findest du es hier). Aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die daraus eine Wissenschaft machen. Es muss mir schmecken, mich satt halten und meinen Körper so am Laufen halten, dass er sich in Kombination mit meinem Training und den Schlafeinheiten in Richtung meiner Zielvorstellung formt – und dabei natürlich gesund und fit bleibt. Auch das ist also eine der Dinge, die ich durch diesen Ernährungstest über mich heraus gefunden habe.

Will ich diese Ernährung auch im nächsten Jahr so streng beibehalten?

Definitiv nein. Ich glaube daran, dass Weizen – erst recht Weizen en masse – nicht gut für meinen körperlichen Zustand ist. Deswegen wird es Änderungen geben. Zum Beispiel werde ich bei bestimmten Lebensmitteln darauf achten, die Marken zu nehmen, die keinen Weizen für ihre Produkte verwenden (bei Chips zum Beispiel gibts da große Unterschiede). Ich werde Pizza nach wie vor genießen – aber viel seltener als vorher. Ich werde einfach bewusster Essen und mir jedes Mal vorher überlegen, ob es mir der Geschmack wert ist, Weizen zu konsumieren und ich weiß, dass die Antwort sehr viel öfter „Nein“ sein wird, als noch im letzten Jahr.

Ich habe bis jetzt viele Alternativen getestet, unter anderem auch Lebensmittel für Weizenallergiker (überhaupt nicht meins) und Produkte, die ich nicht einmal angeschaut hätte, wenn ich beim Altbekannten hätte bleiben können. Dadurch, dass ich mich an einer Stelle eingeschränkt habe, habe ich gelernt, die Augen zu öffnen und mich nach Alternativen umzusehen. Ich hab mich selbst gezwungen, im wahrsten Sinen des Wortes über den Tellerrand zu schauen und Neues zu entdecken. So habe ich zum Beispiel Monatelang auf meine Lieblingssorte von Ben&Jerrys verzichtet und damit fast komplett auf Eis, bis ich durch Zufall eine neue Lieblingssorte dort entdeckte. Ohne Weizen und noch sehr viel leckerer als die alte Lieblingssorte.

Zu dieser Artikelserie wird es übrigens noch ein paar Artikel geben. Der Abstand wird nur größer sein, damit ich euch bis zum Ende dieses Jahres begleiten kann und ich denke, es wird auch einen mördermäßigen Cheatartikel geben. Wenn mich der Schlag um Mitternacht wieder auf Pizza und Co. los lässt, wird es nämlich definitiv keine Gefangenen geben. 😀 Der Cheat ist der abschließende Gegentest, über den ich ausführlich berichten werde.

sh

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