[MWJ] Warum trotz Kummer nicht alles egal sein darf (Fazit Juni)

Ich war schon am Zweifeln, ob ich für die Zusammenfassung in diesem Monat ein gutes Thema finde.

Denn Tatsache ist: Es gibt keine außergewöhnlichen Vorfälle, über die es zu berichten gilt. Meine Ernährung hat sich in mein Leben integriert, ich finde immer besser und schneller Alternativen und komme inzwischen sehr gut klar.

Nach wie vor achte ich darauf, keinen Weizen zu mir zu nehmen.
Nach wie vor bedeutet das, dass ich auf bestimmte Dinge verzichten muss.
Nach wie vor vermisse ich Pizza. 😀

Doch dann fiel mir die kleine Kraftanstrengung ein, die sich erst vor ein paar Tagen ereignet hat.
Daraus ergab sich ein Thema, dass sogar einen Titel außer der Reihe bekommt:
Ich war frustriert. Frustriert, verletzt, schlecht gelaunt, unterwegs – und hungrig.
Ich war genervt, mir war kalorientechnisch alles egal und ich steuerte gezielt den Real an, um mir Trost zu kaufen (von dem wir alle wissen, das es kein Trost ist, aber es alle trotzdem immer wieder tun).

Und während ich so grummelnd vor mich hinstapfte, gab es diesen Gedanken.
„Eigentlich könntest du auch ne Pizza (Weizen!) kaufen. Geht schnell, du hast Bock drauf und gerade ist doch ohnehin alles scheiß egal.“

Ist alles egal?

Zwei Schritte weiter setzte mein Gehirn zum Glück wieder ein.
Ich stellte mir die Frage:

„Ist es das? Ist wirklich alles egal und für den Arsch, nur weil eine Sache in deinem Leben gerade nicht so läuft, wie du es gern hättest?“

Wir neigen dazu. Du, ich, er/sie/es. Gut, „es“ vielleicht nicht – aber die Grundidee sollte klar sein.
Wenn eine Sache in deinem Leben gerade nicht so gut, oder (wenn wir bei der Wahrheit bleiben wollen) absolut beschis*** läuft, neigst du dazu, auch alles andere hin zu werfen.

Wir Menschen sind so. Solange es in allen Bereichen gut oder zumindest nicht schlecht läuft, sind wir motiviert, gut drauf und recht zufrieden. Gibt es dann aber einen massiven Einbruch in einem der Bereiche, geht erst mal alles den Bach runter.

So ein Einbruch kann eine Trennung sein, ein Todesfall, der Verlust eines geliebten Haustieres, eine Kündigung die nicht unbedingt von deiner Seite ausging oder ähnliche (meist) plötzliche und massive Veränderungen.

Wenn du Liebeskummer hast, ist dir deine Ernährung piepegal und du futterst alles in dich rein, nach dem es dich in deinem Frust verlangt. Oder isst gar nichts mehr. Oder trinkst übermäßig viel, bzw. baust anderen Mist.
Wenn du deinen Job verloren hast und damit weniger Geld einnimmst, ist dir genau das egal und du gehst shoppen, um dich abzulenken. Oder liegst den ganzen Tag im Bett und vergräbst dich, anstatt dich um eine neue Einkommensmöglichkeit zu bemühen.
Ist jemand gestorben, der dir nahe stand, wirfst du vielleicht die Schule/Ausbildung oder sonstiges hin, das du eigentlich vorgehabt hast. Du gibst dich auf, weil dieser Mensch weg ist, denn plötzlich erscheint alles so sinnlos.

Wider die Natur

Ich stelle jetzt mal eine gewagte These auf, wenn ich behaupte, dass das für einen Menschen natürlich ist.
Alles aufzugeben, weil es an einem Ende schief gelaufen ist. Sofort den Mut zu verlieren und sein ganzes momentanes Leben in Frage zu stellen.

Das klingt übertrieben, aber wenn du dich umhörst oder auch dich selbst betrachtest – stellst du dann nicht doch gewisse Parallelen zu meinen obigen Beispielen fest?

Glücklicherweise ist das in den meisten Fällen nur die erste Reaktion, der erste Impuls, der einem solchen Ereignis folgt. Und glücklicherweise kannst du lernen, diesem „natürlichen“ Impuls entgegen zu steuern.
Mir wurde von meiner ersten großen Liebe hammerhart das Herz gebrochen – und ich habe sechs Jahre gebraucht, um mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und es außerdem nochmal mit der Liebe zu versuchen.

Sechs Jahre. Weil ich vier Jahre lang alles habe schleifen lassen. Ich hab nicht mehr gekämpft, um gar nichts. Weder um Respekt auf meiner Arbeitsstelle, noch darum, mich gesund zu ernähren und fit zu werden und schon gar nicht um soziale Kontakte außerhalb des www, um meine Weiterbildung oder sonstiges.

Jetzt wurde mir wieder das Herz gebrochen.
Auf andere Art und Weise, aber genauso hart, wenn nicht sogar härter.

Kam der Impuls, alles weg zu werfen? Na klar – er ist natürlich.
Aber dieses Mal habe ich wider der Natur gehandelt und ihn gar nicht erst gewinnen lassen.
Ich unterdrücke ihn, immer wieder. Denn natürlich kommen diese Momente, in denen es besonders schlimm und mir alles besonders egal ist.

Aber es geht. Es funktioniert – und es ist unglaublich wichtig, dass du nicht alles in deinem Leben krachen gehen lässt, nur weil dir das Herz gebrochen wurde, du deinen Job verloren hast, oder dein Haustier gestorben ist.

 

Fazit

Der Moment, in dem ich mich entschlossen hatte, eine Pizza zu kaufen, war der Moment, in dem ich etwas Grundlegendes erkannte.

Und zwar, dass ich gerade dabei war die Arbeit von einem halben Jahr (!) und alle daraus resultierenden Ergebnisse weg zu werfen, nur weil es in einem Bereich meines Lebens gerade nicht so einfach ist.

Ich erkannte, wie unsinnig das ist.
Wie zerstörerisch dieser Trotzimpuls „ist doch alles egal“ auf unser Leben einwirken kann.
Und das es mir nicht besser – sondern im Gegenteil hinterher noch schlechter – geht, wenn ich ihm nachgebe.

Wirf nicht alles in deinem Leben weg, nur weil in einem Teil davon gerade alles den Bach runter geht.
Je mehr du dich gehen lässt, desto mehr musst du hinterher wieder aufräumen. Das kostet mehr Zeit, mehr Kraft und Anstrengungen und die Hürde, es endlich anzugehen, wächst sehr viel schneller.
Lass es nicht so weit kommen.

mealice

Ein Gedanke zu „[MWJ] Warum trotz Kummer nicht alles egal sein darf (Fazit Juni)

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