[MWJ] Die Entscheidung, zu entscheiden

Ich habe wieder etwas gelernt. Etwas, das so einfach und logisch ist, dass man da erstmal drauf kommen muss. Diese Wahrheit ist so fundamental und eigentlich auch so bekannt, dass ich mir ziemlich blöd vorkam, es bis jetzt anders gemacht zu haben.
Bereit? Okay: Ich entscheide was ich esse. Nur ich.
BÄM. Genial, oder?

Folgender Hintergrund: Auch wenn ich meine Ernährung inzwischen sehr gut im Griff habe, gibt es natürlich auch bei mir Ausfalltage. Das sind Tage, an denen ich ordentlich cheate, das aber bewusst mache. Nur sind diese Tage nicht geplant, sondern entstehen immer erst gegen Abend und aus einer speziellen Laune heraus. Dann entscheide ich mich für das „cheaten“ und für die ungesunden Lebensmittel.
In letzter Zeit ist mir dabei immer wieder aufgefallen, dass mich das eigentlich gar nicht so recht zufrieden stellt. Es macht satt. Aber es schmeckt gar nicht mal unbedingt sooo gut, dass es den Rückschritt auch wert wäre. Der Bauch, der sich vorübergehend wieder aufbläht, die Haut die sich vorübergehend verschlechtert und die Übelkeit, die sich einstellt. Klar, wenn das Erlebnis an sich einen zurück lässt nach dem Motto: „Boah war das geil, gerne wieder“ – dann ist das vielleicht nochmal was anderes. Aber meistens sitze ich da und denke mir: „Hm.. das war jetzt gar nicht mal so prall. Scheiße.“
Ich habe damit begonnen, mich während dieser letzten Cheats genauer zu beobachten. Was bewegt mich denn jetzt dazu, Chips und Schokolade zu kaufen und mir einen faulen Abend auf der Couch zu machen? Manchmal war es schlichter Hunger, gepaart mit der Faulheit, mir jetzt etwas zu essen zu machen. Sich nach einem langen Tag bequem auf die Couch zu schwingen und die Chipstüte aufzureißen, ist schließlich viel angenehmer, als noch gesundes Essen schnippeln und zubereiten zu müssen. Geschweige denn vom Abwasch. Aber gerade bei den letzten Malen, stellte ich immer wieder fest: Eigentlich gibt es gar keinen Grund. Ich hab es einfach getan. Noch während ich die Cheats routiniert im Supermarkt einsammelte (die Auswahl ist aufgrund meines Experiments ja begrenzt), fragte ich mich: „Warum machst du das gerade? Besteht doch eigentlich kein Grund.“
Und trotzdem habe ich es gemacht. Obwohl mir bewusst war, dass es eigentlich grundlos und obendrein schädlich ist.

Ich handelte also völlig sinnbefreit

Je öfter ich mir beim Einkaufen diese Fragen stellte und mich selbst beobachtete, desto bewusster wurde mir, dass mein Körper an diesen Cheatnachmittagen einfach nur auf Autopilot flog. Vielleicht war es die Erinnerung an eine alte Verhaltensweise. Denn früher war diese Art der Ernährung für mich normal. Und wenn ich in Stresssituationen bin, neige ich dazu, in diese alten Verhaltensweisen zurück zu fallen. Ins „einfache“.
Aber einfach schmeckt mir nicht mehr – und es bekommt mir wesentlich schlechter als früher.
Dadurch, dass ich mir bewusst gemacht habe, was ich da tat, erreichte ich Anfang der Woche einen kleinen Durchbruch für mich selbst.

Ich stand schon im Flur, bereit, nochmal los zu ziehen und Chips und Sourcream zu kaufen, weil ich da gerade Bock drauf hatte. Aber dann hielt ich inne und machte mir klar:
„Du bist gerade dabei, dir die Schuhe und die Jacke anzuziehen, dein Geld mit zu nehmen, zum Supermarkt zu laufen, dir das Zeug aus den Regalen zu sammeln, an der Kasse anzustehen, die Sachen zu bezahlen (und damit auch noch unnötig Geld zum Fenster raus zu werfen, welches ich an anderer Stelle besser investieren kann), sie nach Hause zu tragen und alles wieder aus zu ziehen. Weil du DAS einfacher findest, als einfach schnell etwas gesundes zusammen zu schnippeln, aus den Zutaten, die du schon zu Hause hast?“
In dem Moment wurde mir die Lächerlichkeit dieses Vorhabens überhaupt erst bewusst. Also entschied ich mich dagegen, rührte mir schnell einen Pizzateig aus aufgeschlagenem Eiweiß und gewürztem Eigelb zusammen, backte es auf, bestrich es dann mit einer Soße aus passierten Tomaten, Gewürzen und getrockneten Kräutern und belegte es mit den Resten die ich noch hatte: Kichererbsen, Truthahnfleisch und fettarmen Mozarella.

Die „Pizza“ löschte alle meine Chips-Gelüste aus, machte mich zu 100% pappsatt und war wesentlich gesünder, als die Variante, die ich zuerst angepeilt hatte.
Nach dem Essen wurde mir klar: „Wow. Du hast dich entschieden. Du hast dich zum ersten Mal wirklich bewusst gegen den Autopiloten und für eine gesunde Ernährung entschieden, die dich weiter bringt.“
Und so einfach, wie es sich im Nachhinein auch anhören mag: Das Aufbrechen einer eingefahrenen Tätigkeit, bei der du praktisch auf Autopilot handelst, ist ein schwieriges Unterfangen.
Dazu sind folgende Schritte nötig:

  1. Mach dir bewusst, dass du einen solchen Autopiloten besitzt.
  2. Beobachte dich und stelle dir immer wieder die Frage nach dem Warum, während du die Tätigkeit ausführst.
  3. Überlege dir andere, bessere Alternativen, um das aktuelle Verlangen zu besänftigen.
  4. Halte inne, bevor du die Tätigkeit ausführst und entscheide dich bewusst dagegen.
  5. Führe im Anschluss sofort die Ersatztätigkeit aus.
  6. Reflektiere hinterher, wie du dich gefühlt hast und was du für dich daraus lernen kannst.

Eine alte Verhaltensweise zu verändern und durch eine neue zu ersetzen, ist nicht einfach. 
Hast du bereits Erfahrungen damit gemacht? Dann ab in die Kommentare! 😉

mealice

4 Gedanken zu „[MWJ] Die Entscheidung, zu entscheiden

  1. Wenn man sich mal nur gesund Ernährt, will man gar nicht mehr etwas anderes essen. Dann fällt die Entscheidung beim Einkaufen nicht mehr schwer. Toller Beitrag 🙂

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