Wieso das alles nicht umsonst war

Kennst du den Spruch:
„Wenn du in der Hölle bist, geh weiter“?
Er drückt in nur wenigen Worten eine ganze Menge Weisheit aus.
Wir Menschen neigen dazu, in Problemsituationen stehen zu bleiben. Einige von uns erkennen Probleme als Herausforderungen an, sammeln sich kurz und greifen dann frontal an. Der Rest von uns bleibt einfach stehen, verharrt in einer Art Schockstarre und kommt weder vor noch zurück. Die Meisten von uns bleiben in der Hölle stehen.

Glücklicherweise gehen von denen, die zunächst stehen bleiben auch wieder welche weiter. Sie brauchen nur länger, um zu realisieren, was zu tun ist. Das vor ihnen der Ausweg liegt und das sie ihn nur erreichen, wenn sie sich wieder in Bewegung setzen. Wie lange du in deiner selbst gemachten Hölle bleibst, hängt allein von dir ab. Manche brauchen nur einen Moment, andere ein Jahr, wieder andere Jahrzehnte und manche schaffen es gar nicht mehr. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ich selbst habe zum Beispiel mehrere Jahre gebraucht, um wieder weiter zu gehen.

Was kommt nach der Hölle?

In meinem Buch „2 Jahre, für immer„, stelle ich dir ein paar Methoden und Übungen vor, wie du deinen Weg aus deiner persönlichen Hölle heraus findest. Aber was dann? Was kommt danach?

Zuerst einmal ein besseres Leben, soviel ist klar. Du hast es geschafft, aus dem Loch heraus zu klettern, in das du dich selbst eingegraben hast, stehst nun wieder in der Sonne und atmest die frische Luft tief ein.
Und nun?
Nun krempelst du die Ärmel hoch, fährst die ersten Erfolge ein – und wirfst irgendwann einen Blick zurück.
Zurück auf die Jahre, die du tatenlos herumgesessen hast. In denen du deinen Körper schlecht behandelt hast, in denen du dich und diejenigen die du liebst schlecht behandelt hast. Du siehst jetzt, wie glücklich du sein und was du alles erreichen kannst und fängst an zu bereuen.
Zu bereuen, dass du nicht viel eher angefangen hast. Das du all diese Zeit verschwendet hast. All diese Jahre.

Verschwendete Zeit?

Ich selbst habe mich lange darüber geärgert, so viel Zeit verschwendet zu haben. Denn rückblickend hat es sich wie eine Verschwendung angefühlt.
Es war ungefähr die Zeit zwischen 21 und 25, die Zeit in der man alt genug ist um auf eigenen Beinen zu stehen, aber jung genug, um die Welt zu bereisen, Abenteuer zu erleben und sich einfach auszutoben. Und was habe ich während dieser Jahre getan? Herumgesessen, ganze Nächte durch gespielt und meinen Körper, sowie meine Gesundheit und auch mein geistiges Potential völlig runter gewirtschaftet.
Ich habe mich maßlos geärgert und mir immer wieder ausgerechnet, wie viel Zeit ich verschwendet habe, wie weit ich heute schon wäre, wenn ich das nicht getan hätte und was ich alles hätte erleben können. Ich habe um vergeudete Jahre getrauert und dabei gar nicht bemerkt, dass ich durch das Hinterhertrauern nur noch mehr Zeit verschwende.

Bis zu dem Tag, an dem ich das Buch „Überflieger“ las. In diesem Buch wird das Thema Talent behandelt und eine Verbindung zwischen Talent, Erfolg und harter Arbeit hergestellt. Die These dieses Buches ist es, dass nicht (allein) Talent zählt, sondern Übung. Jemand, der in seinem Bereich Erfolg hat, ist erfolgreich, weil er interessiert und leidenschaftlich dabei ist und weil er mindestens 10.000 Stunden auf seinem Gebiet tätig war.
In dem Moment wurde mir klar: Ich hatte meine Zeit gar nicht verschwendet.
Denn klar, ich habe mich runter gewirtschaftet, daran besteht kein Zweifel. Aber in dieser ganzen Zeit habe ich vor allem auch eins getan. Ich habe geschrieben. Ich habe nicht nur tagelang, sondern auch nächtelang geschrieben, unter der Woche, an den Wochenenden und in jeder freien Sekunde, die ich erübrigen konnte.  Ich habe mich mit dem Führen von Gruppen beschäftigt, mit dem Schlichten von Konflikten, mit der Konzipierung von Geschichten und ich habe Stunden über Stunden geschrieben. Ob ich in diesen intensiven Jahren auf 10.000 Stunden gekommen bin, ob es mehr oder weniger waren, kann ich nicht genau sagen. Aber ich weiß, dass es eine verdammt große Anzahl an Stunden gewesen ist. Ich bin in meinem Element völlig aufgegangen und habe mich – ohne es zu realisieren – in dem geübt, was ich für meinen Traumjob brauche: Ich habe meine Schreibfertigkeiten trainiert und stets verbessert.

Ich habe erkannt: Die Zeit war gar nicht verschwendet.
Während ich vor meinem unglücklichen Leben in eine Sucht geflüchtet bin, habe ich eine Fähigkeit trainiert, die ich jetzt gut gebrauchen kann. Während ich all diesen Mist durchgemacht habe, ist in mir die starke Person herangewachsen, die ich heute bin.
Dadurch, dass ich bereits tief unten war, habe ich jetzt den Willen, gewisse Dinge durch zu ziehen und stetig an mir zu arbeiten, weil ich dort wo ich gewesen bin, nie wieder landen will.
Und ich habe die Erfahrungen gesammelt, die ich in meinem Buch zusammen gefasst habe, die in meine Blogartikel einfließen und die ich in Privatgesprächen mit Freunden und Bekannten mit ähnlichen Problemen anwenden kann, um ihnen weiter zu helfen.

Phoenix-Menschen

Wir alle lernen, auf die ein oder andere Weise. Manche lernen schneller, andere lernen nur auf die harte Tour. Ich musste erst völlig zusammen brechen und einen ziemlich langen Weg der Erholung gehen, um das zu begreifen, was ich lernen sollte. Und ich habe gelernt, dass der Phoenix es schon ganz richtig macht: Er verbrennt sein altes Ich, um dann völlig neu aus der Asche wieder auf zu erstehen und von vorn zu beginnen.
Das ist auch der Weg, der für mich – und vielleicht auch für dich – funktioniert.
Breche mit alten Gewohnheiten, lege alte Verhaltensmuster ab und „verbrenne“ (bitte nicht wörtlich nehmen) dein altes Ich. Erst wenn dein altes Ich nur noch ein Häuflein Asche ist, kannst du dein neues Leben beginnen. Dir neue, gesündere und bessere Gewohnheiten zulegen. Neue Dinge lernen und einen neuen Weg einschlagen. Es ist nie zu spät, ein Phoenix zu sein und als glücklicherer Mensch ein neues Leben zu beginnen.

mealice

 

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