Angst.

Jeder Mensch hat Angst vor irgendwas. Selbst wenn wir die üblichen Ängste vor Clowns, Schlangen, Spinnen etc. einmal Beiseite lassen, bleiben immer noch jede Menge übrig.

Angst vor der Zukunft.
Angst davor, nach draußen und unter Menschen zu gehen.
Angst vor dem Versagen.
Angst davor, nicht geliebt zu werden.
Angst vor dem Alleinsein.
Angst davor, für sich selbst einzustehen.
Angst davor, jemanden zu verlieren.
Angst davor, auf der Straße zu landen.
Angst vor dem nächsten Tag.

Angst vor dem Leben

Ohne die unzähligen Ängste verallgemeinern zu wollen, denke ich, dass man einen Großteil davon unter „Angst vor dem Leben“ zusammen fassen kann. Denn was macht das Leben denn aus? Risiko. Wenn du jemanden in deinem Leben willst, dann musst du dich eben manchmal aus dem Fenster lehnen, um die Sache voran zu bringen. Wenn du dich ungerecht behandelt fühlst und deswegen wütend oder verletzt/enttäuscht bist, dann musst du es ansprechen. Auch in Anbetracht der (manchmal berechtigten) Sorge, dass die andere Person dann die Flucht ergreift und du wieder allein da stehst.

Das Leben besteht aus einer Abfolge kleinerer oder größerer Risiken die du eingehen musst. Läufst du davor weg, wirst du dich irgendwann in der Situation wiederfinden, da zu sein – aber nicht mehr anwesend.
Das Leben ist ein Kampf, ein Spiel, ein Wettbewerb.
Du musst immer wieder angreifen, um weiter mit zu spielen.
Du musst immer wieder aufstehen, um nicht zurück zu bleiben.
Und du musst immer wieder Mut zeigen, um glücklich zu werden.

Fang nicht an, dich vor dem Leben zu verstecken, oder vor den Menschen in deinem Umfeld.

Lebe Angst, um angstfrei zu Leben

Das Ziel sollte es nicht sein, jegliche Angst aus deinem Leben zu verbannen.
Angst kann auch ein guter Hinweis sein, etwas einfach sein zu lassen. Wenn du zum Beispiel Angst davor hast, aus entsprechender Höhe ohne Seil aus einem Hubschrauber ins Meer zu springen, ist das vielleicht nicht unbedingt grundlos so.

In vielen Fällen ist deine Angst aber ein selbstgemachtes Gefühl und nichts, was von deinem Bauchgefühl herrührt. „Bauchangst“ warnt dich davor, in ein Löwengehege zu springen oder Nachts im Mini durch miese Gegenden zu stöckeln. „Kopfangst“ hingegen ist oft etwas irrationales, etwas von dir geschaffenes. Du erlegst dir selbst Grenzen auf und ziehst in Form von Angst Mauern hoch, die dich innerhalb dieser Grenzen halten.
Es ist pure Selbstmanipulation.
Weil du dich selbst für nicht liebenswert hälst, hast du Angst, für dich einzustehen. Du gehst schon davon aus, dass andere Personen dich verlassen, weil du nicht wichtig oder toll genug bist.
Weil du dich für nicht gut oder schlau genug hälst, hast du Angst, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, oder dich in eine große Aufgabe zu stürzen. Du gehst davon aus, zu versagen und ausgelacht zu werden. Du gehst davon aus, dass andere Menschen dich nicht respektieren oder ernst nehmen werden und deswegen verkriechst du dich lieber wieder.

Dieser Rückzug, dieses „unsichtbar machen“ ist aber nur der erste Schritt in einen Teufelskreis aus Angst, Rückzug und Minderwertigkeitskomplexen. Je kleiner du dich machst, desto kleiner wirst du behandelt und desto kleiner fühlst du dich. Also machst du dich noch kleiner, weil du dich bestätigt fühlst. Es ist eine Spirale, die sich immer wieder im Kreis dreht, bis sie dich schließlich als kleines Häufchen wieder ausspuckt, das nicht weiß wohin mit sich.

Wage es und sieh was passiert

Wenn du dich aufrappelst, den Staub abschüttelst und dich darin übst, den Schnabel aufzumachen, wirst du sicherlich erst einmal auf Irritation stoßen. Schließlich sind die Menschen in deiner Umgebung es nicht gewohnt, das du dich zur Wehr setzt oder schlicht und einfach auf dein Recht bestehst. Aber dann wird etwas passieren, das dich verblüfft. Du wirst positive Reaktionen erhalten. Deine Forderung wird ernst genommen, abgenickt und du folglich anders behandelt. Am Anfang vielleicht nur in kleinen Schritten und ja, ein paar Leute werden vielleicht auch aus deinem unmittelbaren Umfeld verschwinden. Aber auch hier gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder werden sie zurück kommen, wenn sie deine Veränderung verdaut haben, oder du wirst aufhören sie zu vermissen. Weil du feststellst, das es eigentlich nicht so richtig das Wahre gewesen ist.
Mit der Zeit wirst du auch deine anderen Ängste verlieren. Deine Angst vor dem Allein sein, vor dem „auf den Tisch hauen“ – deine Angst vor dem Morgen. Plötzlich werden dir auch andere Dinge leichter fallen und du wirst Gefallen daran finden, Dinge zu tun, die dir erst einmal Angst machen oder zumindest Respekt abverlangen. Weil du das Gefühl genießt, diese Angst zu überwinden und deine Ziele zu erreichen.
Hinterher zurück zu blicken und dich zu fragen wovor du eigentlich solche Angst hattest, ist eines der besten Gefühle überhaupt.
Probier es aus.

mealice

4 Gedanken zu „Angst.

  1. Wie heißt es bereits bei Tolkien?

    Die Straße gleitet fort und fort,
    weg von der Tür, wo sie begann.
    Weit über Land, von Ort zu Ort,
    ich folge ihr, so gut ich kann.
    ihr lauf ich raschen Fußes nach,
    bis sie sich weit und breit verflicht
    mit Weg und Wagnis tausendfach.
    Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

    Aufs Leben übertragen: Das Leben geht weiter, von Ort zu Ort, nie ohne ein Wagnis. Manchmal muss man eben ins kalte Wasser springen oder die Katze im Sack kaufen.

    Und speziell zu der Stelle: „Wenn du jemanden in deinem Leben willst, dann musst du dich eben manchmal aus dem Fenster lehnen, um die Sache voran zu bringen.“ – schon bei Ovid (20 v. Chr. – 17 n.Chr.) ist in der Liebesdichtung der Grundsatz „amor est militia“ prägend – „Liebe ist Kriegsdienst.“

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