Mimimi-isten und wie sie die Welt sehen

Es gibt sie wirklich: Die Mimimi-isten. Mimimi-isten sind Menschen, die sich beschweren.
Nicht aber etwa nach einem harten Scheißtag, sondern immer.
Täglich, rund um die Uhr, sobald sie den Mund aufmachen.
In meinem Leben habe ich nicht nur einmal mit einem solchen Menschen zusammen gearbeitet, weshalb ich aus Erfahrung sagen kann: Es ist einfach nur anstrengend.
Die Person betritt den Raum und schon geht es los.
Die Bahn kam zu spät/der Wagen streikte, überall war die Hölle los, der Internetanbieter ist scheiße, alle Taxifahrer sind dumm, der Kundendienst vom Elektromarkt hat [Mimimi nach Wahl einfügen] und überhaupt läuft es zur Zeit soooo schlecht.

Für Mimimi-isten ist jeder Tag schlimm, alles was passiert zielt nur darauf ab, einem zu schaden und generell kann der Mimimi-ist für nichts was ihm widerfährt etwas. Ändern will er aber auch nichts.
Immerhin ist er das arme Opfer und muss sich nicht ändern – die Umstände sollen sich gefälligst ändern!

Das Sportprogramm das er machen will, soll gefälligst billiger werden, sonst kann er ja nie abnehmen!
Die kostenlosen Youtubevideos kann er aber auch nicht nutzen, weil er dafür keine Zeit hat.
Immerhin muss er arbeiten gehen! Täglich!
Das im Vertrag eine Kündigungsfrist von drei Monaten vereinbart wurde, interessiert ihn nicht. Er hat vergessen zu kündigen und will das das jetzt so gemacht wird, wie er es vorgeschlagen hat (sofort und gegen jede Vereinbarung).
Außerdem will er diese coole Sache haben, die ihn interessiert. Aber warum ist die bitteschön nicht kostenlos? Alles nur Geldmacherei!

Ich will es aber so! Also funktioniere gefälligst!

Der Mimimi-ist findet immer einen Grund zum Nörgeln und Weinen.
Was er dabei gern übersieht: Auch andere Menschen haben Probleme mit dem Auto, dem Kundendienst oder an anderen Stellen in ihrem Alltag.
Auch andere Menschen erleben Rückschläge, hören ein „Nein“ an Stellen an denen sie es nicht hören wollen, oder haben Tage, an denen einfach alles schief geht.
Der Unterschied zwischen Mimimi-isten und allen anderen?
Alle anderen lassen sich davon nicht klein kriegen. Sie konzentrieren sich nicht auf das was schief gelaufen ist, sondern stecken ihre Energie lieber in das Finden einer Lösung.

Du willst etwas, das du dir jetzt nicht leisten kannst? – Spare darauf hin!
Selbst wenn du jeden Monat nur fünf Euro weglegen kannst und zwei Jahre sparen musst – tu es.
Denn die zwei Jahre vergehen, ob du dabei sparst oder nicht.
Aber wenn du es tust, kannst du dir die Sache leisten.
Du willst Abnehmen, hast aber keine Zeit für Sport oder gesunde Ernährung?
Dann ändere etwas an deinem Leben so wie es jetzt ist.
Auch wenn du dir deinen Tag ansiehst und der Meinung bist, dass du keine Zeit für Gesundheit und Training hast: Du hast sie, vertrau mir. Du musst dir nur angewöhnen, deinen Tag anders zu betrachten.

Du hast 24 Stunden, wie jeder von uns.

Sei kein Mimimi-ist – mach etwas aus dir.
Für den Anfang solltest du dir folgende Fragen stellen und sie ehrlich und selbstkritisch beantworten:

  1. Du hast 24 Stunden – wofür nutzt du sie?
  2. Was könntest du in der Zeit tun, die du jetzt dazu nutzt, um dich über dein Leben zu beklagen?
  3. Wenn du öfter mit einem Freund oder einer Freundin telefonierst und dich dabei nur beschwerst, über andere lästerst oder dich über irgendwelche Dinge aufregst – warum nutzt du die Zeit nicht, um dir stattdessen zu überlegen, wie du diese Probleme aus der Welt schaffen könntest?
  4. Wenn du die Zeit hast, um auf Facebook/Instagram Bilder von anderen Leuten zu bewerten, dich zu beschweren, dass irgendwas zu teuer ist oder dich in ewig langen Postings zu rechtfertigen, wie kannst du dann gleichzeitig behaupten, keine Zeit zu haben, um dich eine halbe Stunde zu bewegen?
  5. Oder mal eine Stunde da zu sitzen und dein Essen für die nächste Woche zu planen?
  6. Wenn du keinen Job hast, wieso hast du dann keine Zeit, dich weiter zu bilden, um einen zu bekommen?

Die Ex-Mimimi-istin

Ich war schon Mimimi-istin, bevor es diesen Begriff überhaupt gab.
Mein Job war scheiße, meine Figur sowieso, alles war zu teuer, meine Wohnung fand ich hässlich – kurz gesagt: Ich war unglücklich.
Dieses Unglücklichsein hat mich gemein werden lassen, zickig, unangenehm, unfair und unsicher.
Je unsicherer ich wurde, desto bissiger wurde ich und wer es wagte, die Hand in meine Richtung auszustrecken, konnte sicher sein, dass ich sofort um mich biss.
Alle schlanken und schönen Menschen waren so geboren, alle reichen Menschen hatten nur von Papi geerbt, außerdem waren sie dumm und unfähig und hatten einfach nur Glück gehabt. Im Gegensatz zu mir – und deswegen hasste ich sie.

Warum ich an meiner Situation nichts änderte? Wozu?!
Ich war nun mal dick – so glaubte ich.
Ich war nun mal hässlich – denn so fühlte ich mich.
Meine Wohnung war nun mal billig und unwohnlich, weil ich mir nicht mehr leisten konnte.
Für Veränderungen hatte ich keine Lust, denn wozu sollte ich etwas ändern, wenn alles andere danach immer noch total beschissen ist?
Was bringt mir ein schönes Wohnzimmer, wenn ich trotzdem dick, einsam und hässlich bin?
Wenn ich trotzdem meine Arbeit hasse und das so sehr, dass ich ständig verschlief. Weil ich nicht aufwachen wollte, um nicht hin zu müssen.

Das und ähnliches geht dir durch den Kopf, wenn du in den Teufelskreis Mimimi gerutscht bist – und es ist wahnsinnig schwer, dort wieder heraus zu finden. Es hat viel Kraft und noch mehr Mut gekostet.
Aber es ist möglich – und vor allem nötig. Denn wenn du eine erste Veränderung anstrebst und umsetzt, wird es dir – entgegen deiner Erwartungen – besser gehen. Du willst dann mehr, strebst eine zweite Veränderung an, dann eine dritte, eine vierte.
Und ehe du dich versiehst, bist du auf dem Weg zu einem tollen Leben – ganz ohne Mimimi.

Als Mimimi-ist wirst du niemals glücklich werden. Denn sobald du nach Glück strebst, wirst du aufhören, dich immer nur zu beschweren, die Arbeit anderer anerkennen und lernen, dass du selbst die Person bist, die dich und dein Leben zum Besseren verändern kann.
Lass den Mimimi-isten in dir los und werd endlich glücklich. Das bist du dir selbst schuldig.

mealice

5 Gedanken zu „Mimimi-isten und wie sie die Welt sehen

  1. Solche Mimosen kenne ich auch – während du dich aber geändert hast und ich mich mit dir sehr gerne unterhalte, schwelgen die noch in ihrer Mimosigkeit und… auf Dauer sind das Menschen, die mich immer Kraft und Nerven gekostet haben.
    Gerade sehr mitteilsame Menschen dieser Art neigen nämlich dazu, immer denselben Menschen als „Wirt“ für das Mimimi zu verwenden. Und das kann unfassbar belasten – und wenn man sich wehrt, ist man der nächste Mensch, welcher als „ja, hat eben Glück gehabt“ gesehen wird und das ist traurig und tut verdammt weh bzw. ist der Grad zum Frenemy nicht weit (hast du nicht einen Artikel dazu auf dem Blog?).

    Wobei es auch heilsames Geschimpfe gibt. Wenn ich über mein Problem nach Herzenslust zetere, zetere, zetere, stelle ich irgendwie fest, dass ich bei meinem Monolog… auf einmal die Lösung dafür habe *g*. Da ist quasi das Reden über das Problem gleichzeitig auch der Weg zur Lösung 😀

    1. Hab ich: http://simplyhuman.de/2012/04/27/frenemies/ *g*

      Ich mache es ähnlich wie du. Wenn ich feststelle, dass ich mich längerfristig über etwas beschwere (innerlich oder bei Freunden), schnappe ich mir mein Tagebuch und schreibe mir den ganzen Mist von der Seele. Dabei übe ich mich auch in Selbstreflektion und komme dabei im Grunde immer zur Lösung. Mein Tagebuch beschreibe ich also nicht täglich, manchmal nicht mal monatlich, aber doch immer dann, wenn es nötig ist. Es ist definitiv ein Instrument, dass für mich wahnsinnig wichtig geworden ist.

        1. Gerne! =)
          Selbstreflexion ist sowieso das Coolste. Tut ganz am Anfang weh, aber wenn du es regelmäßig tust, ist es einfach nur noch ein Werkzeug das dich unheimlich weiter bringt!

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