Warum es anderen nicht passt, wenn du dich änderst

Sicherlich kennst du das auch:
„Du hast dich voll verändert!“
„Du bist nicht mehr so wie früher…“

Die Feststellung, das du dich verändert hast, ausgesprochen als Vorwurf.
In den meisten Fällen sollte deine Antwort darauf lauten: „Oh, es ist dir aufgefallen! Vielen lieben Dank!“

Gewohnheit gleich Sicherheit

Denn Änderungen sind nicht unbedingt schlecht. Wenn du dich veränderst, entwickelst du dich weiter und das ist grundsätzlich erst mal gut. Wobei es natürlich auch auf die Richtung ankommt, in die du dich entwickelst. Aber selbst wenn du dich in eine positive Richtung entwickelst, bedeutet das nicht, dass du dafür Zustimmung erhälst.
Den einen kann es schon stören, dass du nicht mehr jedes Wochenende mit feiern kommst, sondern deine Tage sinnvoll nutzt. Einen anderen stört es, wenn du deine Meinung über ein Thema änderst, oder wenn du nicht mehr verbal auf jeden einschlägst den die anderen nicht mögen – sondern anfängst, dir beide Sichtweisen anzuhören und dir eine eigene Meinung zu bilden.

Generell ist es so, dass alles was von der „Norm“ abweicht, als potentielle Gefahr eingestuft wird.
Du befindest dich in einem gewissen sozialen Umfeld und du lebst seit Jahren in ein und dem selben Trott.
Deswegen befindest du dich auch in der Gesellschaft der Menschen, die zur Zeit in deinem Leben stehen.
Weil du dich auf eine bestimmte Art und Weise gibst, denkst und sprichst.
Weil du bestimmte Aktivitäten unternimmst oder unterlässt, weil du an Orten warst, an denen du diese Menschen kennen gelernt hast und weil du ihre Ansichten teilst.
Ihr macht die gleichen Dinge, denkt ähnlich und handelt ähnlich. Das sorgt dafür, das ihr euch versteht und über die Jahre ist daraus eine gemütliche, sichere, aber vermutlich nicht sonderlich spannende kleine Welt gewachsen.

Sicherheit und Geborgenheit sind zwei der Dinge, die der Mensch in seinem Leben braucht, um zufrieden zu sein. Gewohnheit vermittelt Sicherheit. Wenn du die Menschen in deiner Umgebung gut kennst und einschätzen kannst, wie sie auf bestimmte Geschehnisse reagieren, kannst du den weiteren Verlauf einer Situation auf gewisse Weise „vorhersagen“.
Du weißt was passiert und kannst dich rechtzeitig darauf einstellen – so wie es alle Leute handhaben.

Und dann hast du dich einfach verändert

Was passiert nun, wenn sich jemand aus dem gemeinsamen und behaglich gewohnten Umfeld ändert?
Richtig – derjenige bringt alles durcheinander.
Wenn du dich veränderst, beinflusst das nicht nur dein Leben, sondern auch das Leben der Leute um dich herum. Du bist nicht mehr da, wo du vorher gewesen bist, wenn man nach dir sucht. Plötzlich gibst du andere Antworten oder entwickelst neue Interessen, tust vielleicht Dinge, über die ihr vorher immer nur geredet, aber nie in Angriff genommen habt.

Du bist… unzuverlässig. Weil man sich nicht mehr darauf verlassen kann, zu wissen, was du tun wirst.

Das macht dich unkontrollierbar, uneinschätzbar – und damit zu einer Gefahr für die gemütlich gesetzte Gemeinschaft in der du dich befindest. In der man nur über seine Träume spricht, sie aber nicht angeht, in der man Wünsche äußert, aber keinen Ehrgeiz zeigt.
Du warst doch genauso. Ein Träumer, ein Erzähler – und jetzt machst du plötzlich das.
Äußerlich hat sich nichts verändert. Du hast nicht plötzlich im Lotto gewonnen und startest durch, du hattest keinen Unfall oder irgendeine andere schicksalhafte Begegnung, du hast einfach nur den Hintern hoch bekommen. Der Moment kam aus dir selbst.
Für die anderen ist es also absolut nicht nachvollziehbar, woher „das“ plötzlich kommt.
Sie wissen nur, das du auf einmal anders bist und die Dynamik der Gruppe völlig durcheinander bringst.

Damit wirfst du sie aus ihrer Komfortzone, obwohl sie das gar nicht wollen.
Nicht einmal mit Absicht – es lässt sich nur einfach nicht vermeiden, sofern du vorher ein Teil ihrer Komfortzone gewesen bist. Hier die gute Nachricht: Es ist auch nicht dein Problem.
Wenn du ausbrichst, wirst du ein paar Wellen schlagen, die die anderen schaukeln lassen und für einen Moment werden sie dir das sehr übel nehmen.
Aber es ist ihre Entscheidung, ob sie nun auch mit dem Schwimmen anfangen, oder ob sie ihre Luftmatratzen ausbalancieren und dich einfach ziehen lassen.
Glaube mir: Sie werden sich entscheiden und in den meisten Fällen werden sie dich ziehen lassen – oder davonjagen. Denn je schneller du weg bist, du mit deinen komischen neuen Allüren, desto schneller wird das Wasser wieder ruhig und der gewohnte Trott kehrt zurück.

Tausche Schildkröte gegen Delfin

Was deine Freunde und Bekannte, vielleicht sogar Mitglieder deiner Familie angeht, solltest du dir nichts vormachen. Du wirst einige von ihnen verlieren. Manche nur auf Zeit, manche für immer. Einige werden dich auch überraschen, indem sie plötzlich nachziehen. Einige deiner engsten Verbindungen werden eventuell gekappt und ja, es tut weh wenn du lange an jemanden gewohnt bist und ihn verlierst, nur weil ihm oder ihr nicht passt, wie du jetzt bist.
Es ist eine der schwierigeren Phasen im Prozess, der dich zu einem neuen Menschen macht und es ist bei weitem nicht einfach.
Was du dir klar machen solltest, ist, wie wichtig dir die einzelnen Personen sind – und ob es deines Erachtens nach Sinn macht, um sie zu kämpfen.
Du wirst sie nicht alle in dein neues Leben hinüber retten können, aber die Alternative ist es, so zu bleiben wie du warst und dich niemals mehr weiter zu entwickeln.
Bist du aber erst einmal im Änderungsprozess, bedeutet das, das du vorher nicht zufrieden gewesen bist. Wenn du hundertprozentig zufrieden bist, hast du keinen Grund etwas zu verändern, oder?
Du wiegst also nicht ab: Freund versus Ego. Du entscheidest dich zwischen einem Freund weniger, der dich nicht mehr so akzeptiert wie du bist und einem unglücklichen Leben, in dem du versuchst, es allen recht zu machen. Rutscht du aber erst einmal in diese Bahn, wirst du irgendwann versuchen, es allen recht zu machen – selbst Leuten die du eigentlich gar nicht leiden kannst. Das ist es nicht wert.

Lass die Schildkröten ziehen und werde glücklich. Dann ziehst du auch ganz schnell ein paar neue Delfine an, die sich dir gern anschließen.
Anstatt an alten Verbindungen mit Leuten festzuhalten, mit denen du nicht mehr viel gemeinsam hast, lebt es sich entspannter (und zwar für beide Seiten), wenn du dich mit Leuten umgibst, die jetzt zu dir und deinem Leben passen.
Es bedeutet nicht, dass du dich plötzlich für besser hälst und deine alten Freunde „abschießt“.
Es bedeutet nur, dass du dich verändert hast. Du bist nicht besser, du bist einfach nur anders. Und du wirst immer dann am glücklichsten sein, wenn du Menschen um dich hast, die zu dir passen – alles andere artet irgendwann in Zwang aus und am Ende fühlt sich niemand mehr gut damit.

Der Weg dorthin ist manchmal unheimlich, fremd und neu. Sicher wird es Zeiten geben in denen du Angst hast, das du am Ende niemanden mehr hast.
Aber das wird nicht passieren. Lebe dein Leben so, wie es dich glücklich macht und du wirst automatisch auf die Leute stoßen, die zu dir passen, die deine Ansichten teilen und mit denen du dich anfreundest – genau wie früher.

mealice

6 Gedanken zu „Warum es anderen nicht passt, wenn du dich änderst

  1. Genau meine Meinung.
    Muss nicht jeder was mit meinem Business zu tun haben und auch nicht alles gut finden was ich mache.
    Aber auch da macht der Ton die Musik.
    Man merkt ja sehr schnell wenn jemand aus Neid/eigener Unzufriedenheit/Unsicherheit alles negativ bewertet oder aus dem Willen heraus jemanden zu bereichern.
    Kritik ist wertfrei und Feedback ist wichtig, muss nur richtig vorgetragen werden imo.

  2. Schöner Artikel!
    Bin eine schnelle Schildkröte, die mit Delphinen, Walen, Clownfischen und noch vielen anderem Getier schwimmt.
    Schwimmen, schwimmen, einfach schwimmen!

      1. Auch gerne gegen den Strom.
        Wer das nicht aushalten kann, der hat derzeit leider keinen Platz in meinem Leben.
        Manchmal braucht man auch einen Abschied, um festzustellen, dass die Menschen Ballast waren.

        1. Das sehe ich genauso. Da gibt es einen Spruch den ich neulich auf einem Bild mal fand: „Help me succeed or get out of my way.“
          Klingt im ersten Moment erstmal sehr hart, aber ein Ballast ist eben immer ein Ballast. Das heißt ja nicht, dass man sich nur mit Leuten umgibt, die einen im Business weiter bringen, aber eben dass man Beziehungen pflegt, die für einen gesund und förderlich sind. Eine Freundin zum Beispiel, die vielleicht was ganz anderes macht, mit der man sich aber gern austauscht ist gesund/hilfreich, eine Freundin die immer nur an allem was du tust rumkrittelt und sich über dich beschwert und dich klein redet, ist nicht gesund und schon gar nicht hilfreich.

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