Achtung Falle!

Endlich ist der Umzug geschafft und auch die erste Nacht im neuen Heim ist mehr oder weniger gut überstanden.
Aber was kommt jetzt? Ist man jetzt erwachsen, frei und unbesiegbar? Nicht ganz…

Dieser Artikel ist Teil der Serie “Ich zieh dann mal aus – Meine erste eigene Wohnung“.

Der Morgen danach

Das erste was ihr am Morgen danach erblickt – wird vermutlich eure Zimmerdecke sein. Jeder folgende Blick aber senkt sich auf das unumstößliche Chaos das sich in eurer Wohnung gebildet hat.
In eurer eigenen Wohnung, wie es euch freudig durch den Kopf schießen wird, doch ob das die Sache nun besser oder schlechter macht bleibt im Bezug auf das Chaos fraglich.
Diejenigen unter euch, die Familie oder Freunde (vielleicht sogar den Partner) verpflichtet haben mit anzupacken, sollten sich jetzt schleunigst aus dem Bett schwingen, die Kaffemaschine rauskramen und einen Kaffe aufsetzen.
Oder ihr macht es so wie ich, die lange keine Kaffemaschine besaß (ich trinke keinen Kaffe) und teilt eurem Besuch mit das er Kaffe mitbringen muss wenn er welchen trinken will.
Als armer Azubi und frisch entflohenes Kind lässt man euch das noch durchgehen – wenn ihr ganz clever seid, besorgt ihr euch einfach Cappuchinopulver das man mit ein bisschen heißem Wasser in der Tasse anrühren kann und beglückt eure Gäste damit. Außerdem wären ein paar Schrippen und Belag nicht schlecht – kurz: ein kleines Frühstück, damit die Kolonne gestärkt ans aufbauen, putzen, auspacken und einräumen gehen kann.

Diejenigen die sich dem allein stellen wollen, sollten ihren Hintern dennoch aus dem Bett schwingen, denn nur durchs Augen schließen allein wird sich nichts ändern. Konnte man Mutti früher ignorieren, die Samstag früh um 14 Uhr mit dem Staubsauger gegen die Zimmertür donnerte, wird man ab sofort selbst den Staubsauger durch die Wohnung schieben müssen, wenn man nicht nach einer Woche in Staubflusen ersticken will.

So oder so ist die Zeit des Faulenzens genau jetzt vorbei und der Ernst des Lebens beginnt.

Der Haushalt

Wenn ihr nicht gerade mit Geldscheinen gepudert werdet und Mutti und Vati euch alles zahlen, seid ihr vermutlich eher weniger in der Lage eine nette Dame zu beschäftigen, die sich um den Dreck in eurer Wohnung, die Wäsche, den Müll, den Einkauf, das Kochen, das Abwaschen und noch so vieles mehr kümmert. Die wenigsten von euch werden auch gleich zu Beginn eine Spülmaschine zur Verfügung haben, was bedeutet das ihr ab jetzt immer und täglich abwaschen müsst. Per Hand.
Manche stehen drauf, ich finde es mehr als lästig. An dieser Stelle: Lasst alle Hoffnungen fahren, denn oft gibt es in der ersten eigenen Wohnung erst einmal sehr viel wichtigere Anschaffungen als den Luxus einer Spülmaschine. Die nächsten Jahre werdet ihr mit eurem Geschirr also ziemlich intim werden, während ihr es einschäumt, abspült, abkratzt, angewiedert anschaut, abtrocknet, wegräumt oder wahlweise fallen lasst, anmault, aufkehrt, entsorgt und ersetzt.

Euer nächster bester Feind ist der Staub. Er liegt überall. Ich kann jedem nur zu aufgeräumten freien Flächen raten, die sich einfach mit einem Staubwischtuch abwischen lassen, was die Sache in ein paar Minuten erledigt. Ganz anders sieht es aus, wenn ihr erst die ganzen süßen Kätzchenfiguren, die stylisch aufgereihten Parfümflaschen, Kerzen, Dekokram oder eure Star Wars Actionfigurensammlung anheben, abstauben, darunter wischen und wieder hinsortieren müsst.

Ich zähle euch jetzt nicht auf, was alles im Einzelnen gemacht werden muss, um eine Wohnung sauber zu halten, weil es unheimlich viele Kleinigkeiten zu beachten gibt. Hier mal ein Papier liegen gelassen, dort mal eine Socke fallen gelassen, die Fußleisten nicht abgewischt, die Lampenschirme und Jalousien nicht geputzt, die Türen, das Klo, die Spiegel, die Fenster, die Fensterbänke, die Zimmerecken unter der Decke nicht gesäubert – ihr werdet im Laufe der Jahre (jawoll, Jahre) feststellen was alles getan werden muss.
Daran das es einen ultimativen Haushaltsplan gibt glaube ich nicht, weil jeder anders putzt, einen anderen Standard wert schätzt und so weiter.

Einen (für mich) funktionierenden Tipp kann ich euch aber geben: Wenn ihr einen Laptop besitzt, besucht doch mal die Mediathek von RTL II (ohne Mist). Dort gibt es eine Serie, die kostenlos angesehen werden kann und sich „Frauentausch“ schimpft. Sonst wohl eher nicht zu ertragen, kenne ich nichts was mich mehr zum putzen motiviert, als wenn ich mir nebenbei die dort gezeigten Wohnungen ansehe.
Der Fokus der einzelnen Ausschnitte liegt oft in den Müllecken und Dreckplätzen der gezeigten Wohnungen – was einen dazu treibt, sich seine eigenen Leisten und Ablagen anzusehen und festzustellen: Oh. Dort muss man anscheinend auch putzen.

Die Falle

Was ist denn nun die erste große Falle in die man mit dem Bezug der eigenen Wohnung tappen kann, außer akuter Faulheit und einer dreckigen Wohnung?

Endlich sind die Fesseln durch die Eltern gelöst und ich kann in letzter Instanz tun und lassen was ich will. 
Der süße Hundewelpe gefällt mir? Ich kann ihn mir holen!
Niemand kann mir irgendwas verbieten. Ich kann mir ein Tier anschaffen.
Ich kann mir endlich den teuren Pc kaufen den ich haben will ohne das einer motzt.
Ich gehe jede Nacht feiern und komme erst sonstwann nach Hause, ohne das es jemanden stört.
Der neueste Fernsehr ist jetzt auch mit Finanzierung zu haben? Geil! Wer fährt mir das Ding nach Hause? 
Boah, heute hab ich keine Lust zu kochen – ich bestell einfach ne Pizza. 
Kinoabend? Klar!

Diese und ähnliche Gedanken werden durch euren Kopf schießen, ohne das ihr es verhindern könnt.
Die neu gewonnene Freiheit stellt uns plötzlich vor eine Aufgabe, vor der wir als Kinder in der Bockphase schon einmal standen: Wir müssen unsere Grenzen austesten.

Nicht wenige bezahlen diese Testerei mit einer eher unschönen Nachwirkung: Schulden und im schlimmsten Fall die persönliche Insolvenz.

Damit euch das nicht passiert: Zügelt euch, so schwer es auch fällt. Gebt euch selbst ein Jahr lang Zeit, ehe ihr größere Konsumanschaffungen plant und erst recht, ehe ihr ein Tier kauft.
Ein Jahr, um herauszufinden wer ihr jetzt nach diesem wichtigen Schritt seid, was ihr wollt und wie ihr sowohl mit der Verantwortung einer eigenen Bleibe, als auch mit dem finanziellen Aspekt klar kommt.
Natürlich sollt ihr diese Gedanken haben, sie sind schön. Versucht nur, sie nicht alle gleich in den ersten paar Monaten umsetzen zu wollen.

In Kürze:

  • kein neues Haustier im ersten Jahr anschaffen
  • vermutlich „braucht“ ihr einen Fernseher: Aber muss es gleich zu Anfang ein neuer, teurer sein?
  • erst wichtige Großanschaffungen, dann die Spaßkäufe
  • natürlich sollt ihr ausgehen, shoppen oder euch einen Kinoabend gönnen – legt aber einen monatlichen Betrag fest, auf den ihr verzichten könnt und setzt euch das als absolutes Limit
  • wenn ihr auf die coole Konsole/den neuen Laptop/das wasauchimmer verzichten konntet weil eure Eltern maulen, könnt ihr auch noch ein wenig länger warten

Es geht nicht darum, sich alles zu verbieten, es geht darum, zu lernen Maß zu halten.
Das ist schwieriger als es sich anhört und ja – es macht weniger Spaß als einfach los zu legen und die Sau raus zu lassen.
Wenn ihr dann aber an dem Punkt seid, an dem ihr Pfandflaschen wegbringen müsst, damit ihr euch was zu Essen kaufen könnt weil ihr es übertrieben habt, oder an dem ihr euch ständig Geld borgen müsst und immer mehr und mehr Schulden anhäuft, die euch über den Kopf wachsen, wenn Rechnungen reinflattern die ihr längst vergessen habt oder euer Konto ständig im Minus ist und ihr schon gar nicht mehr wisst, wofür ihr diese großen Geldsummen abgehoben habt – dann werdet ihr feststellen, das das im Nachhinein noch sehr viel weniger Spaß macht.

Im nächsten Artikel werde ich ein paar Anschaffungen ansprechen, die getätigt werden müssen und an die man teilweise überhaupt nicht denkt, bis man sie plötzlich braucht.

Me, Alice

2 Gedanken zu „Achtung Falle!

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