Anmelden, ummelden, Verträge abschließen

In den letzten beiden Artikeln „Ich ziehe aus, was tun?“ Teil I und Teil II haben wir erste Vorüberlegungen zum Auszug durchgesprochen und anschließend eine To do Liste angefertigt, um in der hektischen Phase des Umzugs nichts zu vergessen. In diesem Teil nun sind wir kurz vor dem Umzug. Es sind die letzten paar Tage ehe es in die neue Wohnung geht und so einiges ist noch zu beachten.
Was in diesem Artikel geklärt wird, kann allerdings auch noch kurz nach dem Umzug gemacht werden, das bleibt euch überlassen.
Die Vorbereitungen solltet ihr aber vielleicht doch vorher tätigen, da einiges davon viel Zeit in Anspruch nimmt.

Dieser Artikel ist Teil der Serie “Ich zieh dann mal aus – Meine erste eigene Wohnung“.

Das Bürgeramt

Die meisten von euch haben vermutlich bereits einen Personalausweis, auf welchem die Adresse eurer Eltern vermerkt ist.
Das muss geändert werden. Sobald ihr einen Mietvertrag unterschrieben habt, müsst ihr zum Bürgeramt in der Nähe eurer neuen Wohnung und euch dort ummelden. Sprich, wenn ihr in einen neuen Bezirk zieht, zb. von Köpenick nach Charlottenburg, müsst ihr zum Bürgeramt in Charlottenburg gehen und euch dort anmelden.
Edit: Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass man sich (zumindest in Berlin) seit etwas weniger als zwei Jahren wohl in _jedem_ Bürgeramt ummelden kann und das man außerdem vorher telefonisch oder online einen Termin vereinbaren kann, um die Wartezeiten zu umgehen. Danke an das Vögelchen. 😉

Was ihr dafür mitbringen müsst? Euren Perso, evt. euren Kfz Schein wenn ihr einen habt – und sehr viel Zeit.
Je nachdem welchen Tag ihr erwischt, könnt ihr dort zwischen einer und vier Stunden sitzen, wenn es richtig voll ist, gern auch mal länger(s.o. Edit).

Tipp: Nehmt euch dafür einen Tag Urlaub und holt euch gleich morgens eure Nummer ab. Mit ein wenig Glück müsst ihr nicht lange warten und könnt den restlichen Tag lang andere Aufgaben erledigen, wie zum Beispiel Kartons auspacken.

Wichtig: Nach dem Umzug habt ihr maximal zwei Wochen Zeit euch umzumelden! Nähere Infos dazu findet ihr hier.

Strom

Vorab: Keine Sorge, eure Wohnung wird von Anfang an mit Strom versorgt sein. Trotzdem müsst ihr euch bei eurem Stromkonzern melden.
Die meisten Wohnungsgesellschaften arbeiten von Hause aus mit Vattenfall zusammen und ihr bekommt für eure Wohnung den Basistarif.
Wenn ihr die Wohnung übernehmt, geht der Vermieter (oder der Hausmeister) noch einmal mit euch alles durch, erklärt euch den Sicherungskasten, die Gasanschlüsse (falls vorhanden), hält schon bestehende Mängel fest und überreicht euch die Schlüssel.
Außerdem wird der Zählerstand von Strom und (wenn vorhanden) Gas festgehalten. Diesen Zählerstand müsst ihr bei eurem Stromkonzern angeben.
Zwar muss auch der Vormieter diesen Zählerstand angeben um sich für diese Wohnung abzumelden, aber tut euch selbst einen Gefallen und meldet euch trotzdem ordnungsgemäß an – damit könnt ihr unter Umständen eine Menge Ärger vermeiden.
Solltet ihr mit eurem Tarif nicht zufrieden sein, könnt ihr diesen natürlich ändern oder sogar komplett den Anbieter wechseln. Vergleichen lohnt sich auf jeden Fall. Papa Google hilft euch in Sachen Stromanbieter sicher gern weiter.
Im übrigen zahlt ihr für Strom einen monatlichen Abschlag. Dieser wird vom Stromkonzern berechnet (oft nach ominösen Formeln) und euch monatlich abgezogen. Wenn ihr nur wenig Strom verbraucht, aber viel zahlen müsst, keine Sorge. Am Ende des Jahres erfolgt eine Abrechnung, bei der euer Verbrauch gegen die Abschläge aufgerechnet wird. Entweder bekommt ihr etwas zurück oder ihr müsst nachzahlen. Danach wird anhand dieser Abrechnung neu berechnet und ihr müsst (bei wenig Verbrauch) im folgenden Jahr weniger an monatlichen Abschlägen zahlen. Und so ein kleiner Geldsegen am Jahresende ist doch auch was feines.

Tipp: Im Internet gibt es eine Seite, auf welcher man seinen Zählerstand samt Zählernummer einfach eingeben und es absenden kann. Allerdings solltet ihr euch die fünf Minuten Zeit nehmen, um bei eurem Stromkonzern anzurufen und das ganze per Telefon mit einem Menschen abzuwickeln. Bei mir ging die ganze Sache nämlich mal schief, weil die Daten nicht an die Konzerne weiter geleitet wurden und ich plötzlich eine dicke Nachzahlung für Gas am Hals hatte.

Gas

Nicht jede Wohnung läuft über Gas, daher können diejenigen die in einer reinen „Stromwohnung“ leben diesen Abschnitt gern überspringen.
Für alle anderen gilt: Auch hier ist eure Wohnung von Anfang an mit Gas versorgt und auch hier habt ihr bereits einen Anbieter. In Berlin ist das für gewöhnlich die Gasag. Anbieter vergleichen und Tarife auswählen könnt ihr soweit ich weiß auch hier (Asche auf mein Haupt, mit dem Thema Gas habe ich mich nie wirklich beschäftigt was mögliche Anbieter angeht).

Tipp: Die selbe Internetseite wie für den Strom gibt es auch für Gas (ich fand die Seiten leider nicht mehr wieder), aber genau hier gab es Probleme. Also gilt auch für den Gasanschluss: Ruft die Gasag an und meldet euch dort persönlich an oder ab. Mit einem kurzen Gespräch spart ihr euch oft wochenlanges hin und her telefonieren, um irgendwelche Missstände aus dem Weg zu räumen.

Wichtig: Denkt daran, dass ihr auch für Gas einen monatlichen Abschlag zahlen müsst! Ihr solltet euch ohnehin angewöhnen, eure Kontoauszüge monatlich zu überprüfen, um den Überblick über eure Finanzen zu behalten. Nicht einfach nur auf die Endsumme sehen, es lohnt auch der Blick über die einzelnen Positionen, um herauszufinden wo euer Geld so hinfließt. Wenn euch die Rate für Gas fehlt, solltet ihr euch schleunigst darum kümmern das der Gaskonzern euch auf den Schirm bekommt und die Abschlagszahlungen in die Wege leitet.

Ich selbst habe nämlich in meinen ersten beiden Wohnungen nur Strom gehabt und war völlig unerfahren was die Sache mit dem Gas betrifft. Im Mietvertrag ist eine Position für warmes Wasser eingetragen, also ging ich davon aus, das damit das Gas bezahlt wird. Da ich beim Einzug auch brav den Gaszählerstand angegeben hatte (auf dieser Internetseite), war ich gänzlich verwirrt, als nach einem Jahr der Ableser kam und mir vorhielt, das meine Wohnung als Leerwohnung geführt wird. Ihr seht also: Ums zahlen kommt ihr nicht herum. Sorgt also gleich dafür das ihr richtig angemeldet seid und überprüft eure Kontoauszüge. Sonst gibt es unter Umständen ein böses Erwachen.

Internet und Telefon

Es wäre wohl naiv davon auszugehen das ihr alle kein Handy habt, daher lass ich das Thema Handy mal weg und gehe direkt zu Internet und (Festnetz)Telefon über.
An dieser Stelle hilft vor allem eines: Informiert euch. Vergleicht, vergleicht, vergleicht. Fragt Bekannte, Freunde und Verwandte womit sie gut fahren, nehmt vielleicht sogar den Anbieter den eure Eltern zu Hause hatten – ich garantiere euch, dass ihr am Ende ohnehin irgendetwas falsch gemacht habt.

Den richtigen Internetanbieter für sich selbst findet man nur mit Nerven, Kraft und/oder Glück.

Ich selbst war zuerst bei einem Anbieter, bei dem ich über drei oder vier Monate wenn nicht länger darum kämpfen musste, einen Internetanschluss zu bekommen.
Ständig hieß es „wir kümmern uns darum, warten Sie sechs Wochen, bis dahin ist es erledigt“. Heute ein no go für mich, damals war ich in meiner ersten Wohnung aber ziemlich unerfahren und auf mich allein gestellt. Also habe ich das Spielchen über Monate hinweg mitgespielt.
Ich habe ein Sonderpaket gebucht, plötzlich wurde mir ein anderes Paket zugesagt. Also rief ich an, mir wurde gesagt das das umgestellt wird – im Bestätigungsschreiben stand aber wieder das andere Paket.
Das ging so lange hin und her, bis der Aktionszeitraum vorrüber war und ich plötzlich mehr zahlen sollte. Zum „Glück“ zog sich die Sache dann so lange hin, dass das selbe Aktionspaket erneut angeboten wurde und ich versuchte, dieses zu buchen.
Monate später (und in all der Zeit hatte ich kein Internet) kam dann heraus: Der Internetzugang meiner Wohnung war von diesem Anbieter gesperrt worden, weil offene Rechnungen vorlagen – von meinem Vormieter!
Nach einer endlosen Diskussion am Telefon bei der ich versucht habe zu erklären das ich, wenn ich ans andere Ende der Stadt in eine Wohnung ziehe sicherlich nichts mit dem Vormieter zu tun habe, wurde mir die Freischaltung zugesagt, sofern ich (und das war der absolute Höhepunkt der Unverschämtheit) schriftlich mit Ausweiskopie eine Beglaubigung zum Anbieter sende, das ich (eine komplett andere Person, die nichts anderes getan hat als dort einzuziehen) den Vormieter nicht kenne und nichts mit ihm zu tun habe.

Der zweite Internetanbieter hat seine Spielchen dann so weit getrieben, dass ich mit einem Anwalt an die Sache rangegangen bin, um nach einem Leistungsausfall wenigstens mit plus minus Null und einer Menge geschädigter Nerven aus der Sache raus gekommen bin.

Aktuell bin ich bei Alice und der einzige Grund wieso ich mich für diesen Anbieter entschieden habe ist, dass ich jeden Monat kündigen kann und keine zwei Jahre in dem Vertrag festsitze.

Was ihr am Ende für Kriterien habt um euch zu entscheiden bleibt euch überlassen. Fest steht, das ihr immer irgendeinen Menschen treffen werdet, der euch für verrückt erklärt, das ihr bei dem Anbieter unter Vertrag gegangen seid. Auch wenn genau dieser Anbieter euch vorher von einem anderen empfohlen worden ist. Wir alle haben gute und schlechte Erfahrungen mit diversen Dienstleistern gemacht, daher rate ich euch, euch euer eigenes Bild zu machen.

Tipp: Kauft euch ein Festnetztelefon. Kein Witz – ich habe jahrelang dafür gezahlt weil es im Tarif mit drin ist und nie ein Festnetztelefon gehabt. Eigentlich ziemlich bescheuert.

GEZ

Jaja, die GEZ. Ein Verein zu dem wohl jeder seine Meinung hat – zahlen müsst ihr ab Anfang diesen Jahres aber auf jeden Fall.
Ausnahme: Auszubildende, Studenten uä. Dazu solltet ihr euch auf der Internetseite der GEZ genauer erkundigen und die Befreiung beantragen, falls sie für euch gilt.

Tipp: Macht euch um das Anmelden bei der GEZ keinen Kopf – die Jungs finden euch schon. 😉

Im nächsten Artikel wird es dann ernst: Der Umzug steht an und was noch viel wichtiger ist – die erste Nacht im neuen Heim.

Fragen, Anmerkungen, Kritik wie immer in die Kommentare oder an mealice@arcor.de.

Me, Alice

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